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Unzählige helfende Hände seit Kriegsbeginn

Ottobock schult weitere ukrainische Orthopädietechniker in Duderstadt

Auftakt einer teamübergreifenden Zusammenarbeit: Der erste Container startete im September 2022 vom Ottobock Campus in Duderstadt in Richtung Lviv.
Auftakt einer teamübergreifenden Zusammenarbeit: Der erste Container startete im September 2022 vom Ottobock Campus in Duderstadt in Richtung Lviv.

Donnerstag, 25. Januar 2024

Seit nunmehr zwei Jahren dauern die Kämpfe in der Ukraine an. Um den Kriegsopfern in dieser schweren Zeit beiseitezustehen, unterstützt Ottobock auf unterschiedlichsten Wegen den Aufbau einer medizintechnischen Infrastruktur vor Ort. Seit Anfang Januar schulen die Trainer der Global Academy am Ottobock Campus zehn angehende Orthopädietechniker aus der Ukraine. „Mit unermüdlichem Einsatz setzen wir mit unseren Partnern alles daran, amputierte Menschen mit Prothesen zu versorgen und ihnen neue Hoffnung zu geben“, betont Tim Schäfer, Regional President EEMEA.

Was bisher geschah…

Bereits 2022 hat Ottobock begonnen, die medizintechnische Infrastruktur in der Ukraine auszubauen. In enger Kooperation mit internationalen Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz und Malteser International ist es Ottobock Equipment, dem Planungsteam von PEM und dem Export innerhalb kürzester Zeit gelungen, diverse Werkstattprojekte zu realisieren wie beispielsweise die Stationierung eines mobilen Werkstattcontainers in Lviv, gefolgt von vier weiteren Containern in Kiew sowie Orthopädiewerkstätten angeschlossen an Krankenhäuser.

Auch auf Produktebene ist Ottobock im Sommer 2023 ein Meilenstein gelungen. Mit dem Projekt „Hand anders gedacht“ hat das Entwicklungsteam innerhalb kürzester Zeit eine passive Funktionshilfe aus Silikon für den täglichen Einsatz im Haushalt und bei der Körperpflege entwickelt: Skeo Up Daily Assist. Nach kurzer Maßabnahme ist die richtige Größe gewählt und sie kann wie ein Liner auf den Arm gerollt werden. Damit ist die Funktionshilfe schnell und ohne detailliertes fachliches Know-how speziell in Krisenregionen einsetzbar. „Der Pre-Launch in der Ukraine erzielte ein erstes positives Feedback, auf dessen Grundlage das Entwicklungsteam die Funktionshilfe jetzt weiterentwickeln wird“, erklärt Area Manager Anatoli Tirik.

In Kooperation mit ukrainischen Non-Profit Organisationen wie Superhumans und langjährigen Kunden begegnet Ottobock dem orthopädietechnischen Fachkräftemangel in der Ukraine. Das im April 2023 gegründete Superhumans Center in Lviv verfügt neben einer Trauma-Station für Kriegsopfer über ein Zentrum für Prothetik mit einer Rehabilitationseinheit. Unter anderem arbeiten hier ukrainische OrthopädietechnikerInnen und PhysiotherapeutInnen, die Ottobock im vergangenen Jahr geschult hat.

Fachliches Know-how für die Ukraine

Die Ottobock Global Academy bietet regelmäßig und europaweit Aus- und Weiterbildungen für ukrainische TechnikerInnen an.

Lower Limb Prosthetics Crash Course

Aktuell nehmen zehn ukrainische Techniker am Lower Limb Prosthetics Crash Course am Ottobock Campus in Duderstadt teil. „Unser Ziel ist es, die Teilnehmer innerhalb von 12 Wochen zu befähigen, Menschen mit Ober- und Unterschenkelamputation zu versorgen. Die besondere Herausforderung: Die unterschiedlichen Erfahrungshorizonte der Teilnehmer erfordern Flexibilität in der Planung“, erklären die Trainer Markus Goldmann und Frederik Thiede.

Trotz erschwerter Ausreisebedingungen haben sich alle angemeldeten Teilnehmer von den Partnerunternehmen Superhumans, Avanti, Forward Orto und Halychina in Duderstadt zusammengefunden. Nach einer theoretischen Unterweisung sowie einem Überblick über die Produkte und Versorgungslösungen von Ottobock, setzen sie ab der zweiten Trainingswoche ihr Know-how direkt am Demo-Anwender in die Praxis um. „Mit insgesamt neun Versorgungen pro Teilnehmer liegt ein wesentlicher Fokus auf der praktischen Ausbildung, um sie auf ein gemeinsames Level für ihre Arbeit in der Ukraine zu bringen“, sagt Markus Goldmann.

Stimmen der Schulungsteilnehmer

„Ich möchte meinen Kenntnisstand vertiefen und die Qualität meiner Arbeit verbessern. Es ist das einzige, was wir für unsere versehrten Soldaten tun können“, sagt Teilnehmer Borysov Oleksii über seine Ambitionen. Der junge Chirurg aus Chmelnyzkyi baut mit dem Training an der Ottobock Global Academy auf sein Medizinstudium auf.

„Ich hatte schon immer den Wunsch, anderen zu helfen. Als der Krieg anfing, habe ich mich schließlich dazu entschieden, Orthopädietechniker zu werden. Diese Schulung ist ein weiterer wichtiger Schritt für mich.“ Andrii Lopushanskyi hat vor zwei Jahren mit seiner Ausbildung zum Orthopädietechniker in Lviv begonnen.

„Durch den Krieg warten unzählige Menschen auf eine gute Versorgung. Leider gibt es in der Ukraine viel zu wenig Fachkräfte, die den Verletzten helfen können. Deshalb bin ich hier.“ Nazar Chornenkyi hat seine Ausbildung vor sieben Monaten in der Nähe von Lviv begonnen.

„Ich nehme an diesem Training teil, um den Kriegsversehrten eine bestmögliche Versorgung bieten zu können. Qualität und Komfort habe für mich höchste Priorität“, sagt Viktor Shkurin, der seine Ausbildung vor einem Monat in Ternopil begonnen hat.

„Die unberechenbare Situation in der Ukraine ist auch nach zwei Jahren eine Herausforderung, die weit über unser Tagesgeschäft hinaus geht. Die vielen Schicksale fordern uns nicht nur fachlich, sondern vor allem menschlich. Es ist unglaublich, was wir bisher mit unzähligen helfenden Händen gemeinsam bewegt haben. Danke an alle Beteiligten!“

Weitere Schritte

Im Dezember 2023 hat Ottobock eine Auslandsgesellschaft in der Ukraine gegründet. Unter Berücksichtigung der aktuellen Lage wird diese schrittweise logistisch und personell ausgebaut. Zunächst ist ein Lager in Planung, das durch einen externen Dienstleister betrieben werden soll. Der Fokus liegt auf sogenannten schnelldrehenden Produkten, die wir unseren Kunden für eine umgehende Versorgung vor Ort bereitstellen werden.

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