Die Jahre 1933 bis 1945

Ottobock im Nationalsozialismus.

Abb. 10 1. Mai-Umzug
Abb. 10 1. Mai-Umzug
Abb. 10 1. Mai-Umzug
Die NS-Zeit

Fortbestand in einer neuen politischen Realität.

Die Jahre zwischen 1933 und 1945 bilden den dunkelsten Abschnitt der deutschen Geschichte. Ottobock war Teil dieser Zeit. Auch wenn für die Jahre der NS-Diktatur nur wenige Unterlagen überliefert sind, die über die Auftragslage und die wirtschaftliche Entwicklung der Orthopädische Industrie Otto Bock Aufschluss geben könnten, ist diese Zeit untrennbar mit der Historie von Ottobock verbunden. Firmenchef Otto Bock sah sich politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gegenüber, die das unternehmerische Handeln prägten und begrenzten. Entgegen dem im Kern zutiefst menschlichen Unternehmenszweck, Menschen Bewegungsfreiheit, Lebensqualität und damit letztlich auch Würde zurückzugeben, war die Orthopädische Industrie Otto Bock, wie viele andere Betriebe jener Jahre, in die Kriegswirtschaft des Zweiten Weltkriegs eingebunden.

Wissenschaftliche Aufarbeitung

Ottobocks Rolle zwischen 1933 und 1945.

In der Zeit des Nationalsozialismus hatte die Orthopädische Industrie Otto Bock ihren Sitz in Königsee. Das Unternehmen war Mitglied der sogenannten „Wirtschaftsgruppe Feinmechanik und Optik“ und somit in die organisatorischen Strukturen des NS‑Staates eingebunden. Produziert wurden in jenen Jahren vorrangig orthopädische Passteile und Bandagen, die mittelbar an die Wehrmacht geliefert wurden. Rüstungsgüter im engeren Sinne wurden nicht hergestellt, dennoch war das Unternehmen Teil der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft.

Unternehmensinhaber Otto Bock trat 1933 der NSDAP bei. Hinweise auf eine ideologisch überzeugte Nähe zum Nationalsozialismus finden sich in den überlieferten Quellen nicht. Die historische Untersuchung zeichnet ihn vielmehr als einen Unternehmer, der sich den politischen Bedingungen anpasste und bemüht war, den Fortbestand und die wirtschaftliche Entwicklung seines Unternehmens auch unter den Vorgaben der Diktatur zu sichern.

Ab 1942 setzte die Orthopädische Industrie Otto Bock ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ein. Dabei handelte es sich überwiegend um junge Frauen aus der Sowjetunion. Sie arbeiteten in verschiedenen Produktionsbereichen und waren in einem von Otto Bock angemieteten Quartier untergebracht. Gegen Ende des Krieges stellten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter mehr als ein Drittel der Belegschaft.

Diese Phase der Unternehmensgeschichte wurde systematisch, unabhängig und wissenschaftlich aufgearbeitet. Die Untersuchung entstand in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte (GUG) und basiert auf der Auswertung von Quellen aus dem Firmen‑ und Familienarchiv sowie aus öffentlichen Archiven. Die Ergebnisse sind in der Studie „Ottobock im Nationalsozialismus. Die orthopädische Industrie Otto Bock zwischen 1933 und 1945“ dokumentiert. Ziel der Untersuchung ist eine nachvollziehbare historische Einordnung.

Geschichte ist und bleibt Teil unserer Identität. Offenheit, Transparenz und die Anerkennung historischer Verantwortung sind Werte, die für uns heute ebenso verbindlich sind wie wirtschaftliche Integrität und soziale Verantwortung. Die Aufarbeitung unserer Vergangenheit soll uns zugleich daran erinnern, diese Werte in Gegenwart und Zukunft zu wahren.

Prof. Hans Georg Näder
Vorsitzender des Verwaltungsrats Professor Hans Georg Näder
Vorsitzender des Verwaltungsrats, Professor Hans Georg Näder

Ottobock im Nationalsozialismus

Die orthopädische Industrie Otto Bock zwischen 1933 und 1945

Veröffentlichungsdatum: April 2026
Seiten: 128
ISBN: 978-3-95542-552-4

OttoBock im Nationalsozialismus HP (1)
OttoBock im Nationalsozialismus HP (1)

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