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„Sinn ist wichtiger als Glück.“

Wie sich Truus Slingerland mit dem exopulse suit ihren Herausforderungen stellt.

Truus sitzt ihrer Therapeutin bei einem Versorgungstermin gegenüber. Sie trägt den exopulse suit.

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Sie steckt voller Energie, ist warmherzig und vielseitig engagiert: Truus Slingerland ist 57 Jahre alt und lebt seit zehn Jahren mit der Diagnose Primär Progrediente Multiple Sklerose – kurz: PPMS. Die seltene MS‑Variante führte zu zunehmenden körperlichen Einschränkungen und sie musste ihren Beruf in der Marketingkommunikation und der Familienberatung schließlich aufgeben. Mit dem exopulse suit nahm das Leben für Truus 2022 eine positive Wendung. Ihr Gesundheitszustand verbesserte sich und sie entwickelte ein ganz neues Lebensgefühl. Ihr Vater hat ihr ein Lebensmotto mit auf den Weg gegeben: „Kämpfe nicht gegen deine Krankheit, sondern mit ihr.“

Truus lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn und ihrer Tochter im niederländischen Nieuw‑Lekkerland, nahe dem UNESCO‑Welterbe Kinderdijk, bekannt für die historischen Windmühlen. Vor ihrer Diagnose war sie ein Workaholic und arbeitete gleich in zwei Jobs mehr als 50 Stunden pro Woche. Nebenberuflich engagierte sie sich unter anderem in der Palliativpflege und begleitete Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Nichts konnte sie aus der Bahn werfen. Bis sie häufiger stürzte, stolperte und kleine Unfälle hatte. Nach einer schweren Laufverletzung wurde sie intensiv untersucht und die Ärzte diagnostizierten PPMS. Mit ihrer Reaktion hat Truus alle überrascht: „Nun ja, wenigstens sterbe ich morgen noch nicht.“ Dieser Moment hat ihr Leben geprägt, aber gleichzeitig auch ihren Ehrgeiz geweckt.

Während ihre rechte Körperhälfte zunehmend von den Symptomen ihrer Erkrankung betroffen war, lernte sie, fast alles mit der linken Hand zu erledigen. „Mit links zu schreiben war das Schwierigste für mich. Aber ich habe es geschafft“, freut sich Truus. Rückblickend war diese Zeit für sie herausfordernd, aber bedeutungsvoll. „Die Krankheit hat mich gezwungen, innezuhalten und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Menschen, Beziehungen und Zuwendung.“

Um trotz ihrer neurologischen Erkrankung unabhängig zu bleiben, nutzte Truus verschiedene Hilfsmittel: eine Handorthese, orthopädische Schuhe, einen Gehstock für kürzere und einen Rollstuhl für längere Wege. Ihr Auto hat sie angepasst an ihre Bedürfnisse umbauen lassen. „Zusammen haben mir diese Hilfsmittel Freiheit geschenkt“, sagt Truus.

Der Wendepunkt.

Im Dezember 2022 saß Truus am Frühstückstisch und scrollte sich auf Facebook durch die Posts. Dann blieb sie an einem Post hängen: Livit Ottobock Care lädt Menschen mit neurologischen Erkrankungen ein, den exopulse suit auszuprobieren. „Der Unterschied nach der ersten Sitzung war unbeschreiblich: Ich konnte wieder einen Stift halten“, berichtet sie und freut sich über viele weitere alltägliche Tätigkeiten, die sie fortan wieder beherrschte: Mittagessen zubereiten, eine Kaffeetasse sicher halten, ihren Gürtel schließen, im Garten arbeiten und sogar wieder Klavier spielen. „Ich war so begeistert, dass ich alles auf einmal machen wollte. Nach zwei Tagen war ich völlig erschöpft“, erzählt Truus und lacht herzlich.

Nach der Testphase musste sie den Anzug wieder zurückgeben. Das hat Truus tief getroffen: „Mit dem exopulse suit habe ich gleichzeitig ein Stück meiner Selbstständigkeit zurückgegeben.“ Daraufhin hat eine ihrer engsten Freundinnen eine Crowdfunding-Kampagne organisiert und Truus Geschichte an lokale Medien herangetragen. Die Unterstützung war überwältigend: „Einige Monate später überreichte mir meine Freundin eine besonders große Geschenktüte. Ich dachte zuerst an ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk – aber es war der exopulse suit“, erinnert sie sich. „Ich war einfach überwältigt.“

Energie für sich und andere.

Noch vor fünf Jahren hätte Truus nicht geglaubt, welche Möglichkeiten ihr das Leben noch bereithält. Sie trägt ihren Neuromodulationsanzug jeden zweiten Tag für eine Stunde und profitiert langfristig von der Wirkung: „Ich kann wieder durchschlafen und starte mit viel mehr Tatendrang in den Tag.“ Zu ihren liebsten Alltagsaktivitäten gehören Handarbeit, Yoga und eine Radiosendung, die sie alle sechs Wochen gemeinsam mit ihrer besten Freundin moderiert.

Damit noch nicht genug: Truus hat nicht nur Energie für sich, sondern schenkt sie auch Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Sie engagiert sich ehrenamtlich für Menschen in schwierigen Lebenslagen und gibt SchülerInnen Nachhilfeunterricht in den Fächern Biologie, Geschichte, Geographie und verschiedenen Fremdsprachen.

„Ich möchte für andere Menschen da sein. Das gibt meinem Leben einen Sinn. Ich sehe PPMS nicht als Segen, aber es hat meine Prioritäten verändert: Sinn ist wichtiger als Glück“, erklärt Truus.


Über Ottobock  

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