Gehirn, Körper und Technologie miteinander verbinden: Neue Fortschritte in der Armprothetik.
Online-Symposium hebt Fortschritte in Chirurgie, Neuro-Interfacing und Rehabilitation hervor.

Montag, 12. Oktober 2026
Fortschritte in den Bereichen Chirurgie, Neurotechnologie und Rehabilitation eröffnen neue medizinische Möglichkeiten für Menschen, die einen Arm oder eine Hand verloren haben, wie mehr motorische Funktionen, Unabhängigkeit und Teilhabe. Während des Online-Symposiums am 22. September 2026 diskutierten führende ExpertInnen, wie Innovationen die Behandlungswege dafür nachhaltig verändern können.
Dr. Andreas Hahn (Corporate Vice President Clinical Research and Services, Ottobock Healthcare Products GmbH – Wien, Österreich), Moderator der Veranstaltung, hob hervor: „Es ist faszinierend zu sehen, wie stark sich die Versorgung von Menschen mit einer Armamputation weiterentwickelt hat und gleichzeitig zu erkennen, dass noch so viel Potenzial vor uns liegt.“
Aus unterschiedlichen Perspektiven teilten die RednerInnen eine gemeinsame Botschaft: Die Zukunft der Armprothetik hängt davon ab, die Verbindungen zwischen Gehirn, Körper, Technologie und den interdisziplinären Behandlungsteams zu stärken, die die PatientInnen während ihrer Rehabilitation unterstützen.
Die Zukunft der Amputationsmedizin: Verbindungen wiederherstellen.
Dr. Jennifer Ernst (Leiterin der Abteilung für Innovative Amputationsmedizin, Klinik für Unfallchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Deutschland) erläuterte, wie sich die Versorgung bei Amputation über den reinen Ersatz einer fehlenden Gliedmaße hinaus weiterentwickelt hat. So liegt der Fokus heute zunehmend auf der Wiederherstellung funktioneller Verbindungen zwischen PatientInnen und ihrer Umwelt. Sie betonte, dass eine Amputation nicht länger als ein einzelner chirurgischer Eingriff betrachtet werden sollte. Stattdessen sei die Amputation als Beginn eines lebenslangen Betreuungsprozesses zu verstehen, der Schmerztherapie, die langfristige Gesundheit des Stumpfes, die motorische Kontrolle, Prothesenversorgung sowie soziale Teilhabe umfasst.
Basierend auf chirurgischen Innovationen wie der Osseointegration, Targeted Muscle Reinnervation (TMR) and Agonist-Antagonist Myoneural Interface (AMI) beschrieb Dr. Ernst, wie ChirurgInnen mehr und mehr dazu beitragen, biologischen Voraussetzungen für intuitivere Mensch-Maschine-Schnittstellen zwischen Gehirn, Körper und fortschrittlichen Prothesenlösungen zu schaffen.
„Die Zukunft der Amputationsmedizin ist nicht nur eine bessere Prothese. Es geht um eine bessere Verbindung zwischen Gehirn und Körper, Körper und Technik, Disziplinen und letztlich dem Menschen und seinem Leben“, so Dr. Ernst.
Die Schnittstelle zwischen Biologie und Technologie.
Prof. Dr. Oskar Aszmann (Leiter des Zentrums für bionische Extremitätenrekonstruktion, Medizinische Universität Wien, Österreich) beleuchtete die Möglichkeiten und Grenzen die biologischen und technologischen Ansätze bei der Rekonstruktion der oberen Extremitäten zu kombinieren. Anhand klinischer Beispiele zeigte er, wie moderne Rekonstruktionsverfahren dabei helfen können, wichtige sensorische und motorische Funktionen wiederherzustellen.
Darüber hinaus hob Prof. Dr. Aszmann die erhebliche Repräsentation der menschlichen Hand im sensomotorischen Kortex hervor und betonte die Notwendigkeit einer Wiederherstellung der Verbindungen. Um wichtige motorische Funktionen wiederherzustellen, unterstrich er die Bedeutung einer gemeinsamen Entscheidungsfindung mit den PatientInnen.
Mit seinem Ansatz „Biology-First“ machte Prof. Dr. Aszmann deutlich, dass Techniken wie Osseointegration und Nerventransfer zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten bieten können, wenn biologische Lösungen an ihre Grenzen stoßen. Der Einsatz dieser Techniken in Verbindung mit einem Muskeltransfer hat in jüngster Zeit einen Durchbruch insbesondere bei der Behandlung neurologisch geschädigter Extremitäten gebracht und das Spektrum der rekonstruktiven Chirurgie erweitert. Obwohl durch die Fortschritte in der Prothetik, insbesondere durch die Implantat-Technologie, die Behandlungsmöglichkeiten kontinuierlich wachsen, betonte er, dass Technologie biologische Funktionen zwar unterstützen, aber nicht ersetzen kann.
Rehabilitation im Zentrum der Versorgung.
Dr. Agnes Sturma (Leiterin des Departements Gesundheitswissenschaften, FH Campus Wien, Österreich) erklärte, dass der Verlust von Gliedmaßen nicht nur die körperliche Funktion, sondern auch die persönliche Identität beeinträchtigt. Deshalb sind eine individuell abgestimmte Rehabilitation und ein realistisches Erwartungsmanagement für erfolgreiche Ergebnisse unerlässlich.
Angesichts der Komplexität von Amputationen der oberen Extremitäten und der rasant zunehmenden Anzahl technologischer Optionen plädierte Dr. Sturma für gemeinsame Entscheidungsprozesse, die klinisches Fachwissen mit den persönlichen Zielen, Bedürfnissen und Präferenzen der PatientInnen verbinden.
Um die Aufzeichnung des Symposiums anzusehen, registrieren Sie sich bitte über diesen Link:Advancing Upper Limb Prosthetic Care – Surgical Innovation, Neural Interfacing and Rehabilitation.
Nach erfolgreicher Registrierung erhalten Sie in der Bestätigungs-E-Mail den Link zur Aufzeichnung.Diese wird bis 30. Dezember 2026 verfügbar sein.
Über Ottobock
Der börsennotierte, globale MedTech-Champion Ottobock vereint über 100-jährige Tradition mit herausragender Innovationskraft in den Bereichen Prothetik, Neuro-Orthetik und Exoskelette. Ottobock entwickelt innovative Versorgungslösungen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität und treibt die Digitalisierung der Branche voran. Gegründet 1919 in Berlin, ist das Unternehmen mit fast 9.300 Mitarbeitenden (Vollzeitkräften) heute mit seinem Geschäft in 45 Ländern aktiv und betreibt das größte internationale Patientenversorgungsnetzwerk mit über 430 Patientenversorgungszentren weltweit. Mit einer starken F&E-Quote im Produkt- und Komponentengeschäft und mehr als 2.600 Patenten und Patentanmeldungen prägt Ottobock die Human Bionics-Landschaft der Zukunft. Die Mission, die Bewegungsfreiheit, Lebensqualität und Unabhängigkeit von Menschen zu verbessern, ist tief in der DNA des Unternehmens verwurzelt – wie auch sein gesellschaftliches Engagement: Seit 1988 ist Ottobock Partner und Unterstützer der Paralympischen Spiele.
